HERWIG LENAU
Eine Bilanz

1973. Aschermittwoch.

1973. Wenn ich in meinen "Weichenstellungen" immer von relativ großen Berufsentscheidungen und geistig durchdachten Theaterangelegenheiten schrieb, so war die Nachfolgend keine dieser genannten angehörenden, aber doch von großer Entscheidung, nicht geistig durchdacht, sondern seelisch empfunden. Er war diesmal das Karma, das meinen Weg bestimmte.

Die Weiche des Lebens wies mich in ein Gasthaus. Ja! Die Vorgeschichte war die. In Leoben hatte ich einen Theaterverein gegründet, der nur die Aufgabe hatte, Märchen für die Kinder zu spielte. Es war schon ein Unterschied, ob eine ganze Produktion von 4 -6 Aufführungen 15.000 ÖS kostet oder man kaufte eine Vorstellung, das heißt ein Märchen für Kinder um 20.- 30.00 ÖS. Zur Information. Eine normale Abendvorstellung war unter 50.000 ÖS nicht zu haben. Wir, das heißt die Mitglieder des Vereines und ich probten ein Stück im Stadttheater und nachher schlug VERA POTOSCHNIG vor, in ein ihr bekanntes gutes Gasthaus zum Abendessen zu gehen. Es war der Aschermittwoch und die hätten gute Fischspeisen. Nachher war mir klar, dass dies nicht der Hauptgrund war. Ich war nämlich allein, ohne Frau und Familie. Denn in dieses Gasthaus hat sie auch ihre Freundin hinbestellt. Damit wir uns kennen lernen sollen. Es war auch so.

Ich sah dort Christa zum ersten Mal und konnte mich im Gedanken nicht mehr von ihr trennen. Ich war so eingenommen von ihr. Mir gefiel alles an ihr. Eine aparte schöne Frau und doch ungezwungen und fröhlich. Von allen andern Sachen wie Liebe und so weiter will ich nicht berichten, das ist zu persönlich. Aber ihre Fröhlichkeit und Natürlichkeit gefiel mir so. Ihr Weltbild und ihre Häuslichkeit sagten mir zu. Und auch weitere Zusammenkünfte knüpften die Bande enger. Und so heirateten wir im Februar 1975. Da hatte ich schon meinen Vertrag als Intendant vom Stadttheater St. Pölten in der Tasche.

Und sie ging mit ihrem Sohn Hubert mit mir nach St. Pölten. Meine Kinder Franca und Richard waren mir durch ein Scheidungsurteil aus dem Jahre 1972 nur zeitweise gegeben. Ich habe mir ihr jetzt schon 33 Jahre glücklich, aber auch mit einigen familiären Problemen, verbracht. Und ich hätte auch die Aufgaben, die ich erledigen musste, nicht geschafft, wäre sie nicht an meiner Seite gewesen. Die längste Zeit meines bisher ruhelosen Daseins habe ich an ihrer Seite verbracht. Ich danke ihr von ganzen Herzen.

Diesmal kam die Weichenstellung von einer höheren Macht. Danke!

Wie schon gesagt, es war die Bestimmung, die Vorsehung, mein Karma.