HERWIG LENAU
Eine Bilanz

1971. Theo Frisch Gerlach.

1971. In den Jahren 1965 bis 1970 spielte ich mit THEO FRISCH-GERLACH sehr oft zusammen und es entstand, trotz des Altersunterschiedes (er war ca 20 Jahre älter als ich) eine Berufsfreundschaft. Wir hatten über das Theater, den herrschenden Inszenierungen und auch den Schauspielern die gleiche Meinung und den gleichen Geschmack. Er war schon während des Krieges Schauspieler und Regisseur und übte dieses Handwerk noch immer aus. Ich glaube es muss 1968 gewesen sein, da bekam er die Direktion des Stadttheaters Leoben nach dem verstorbenen Direktor REUTER. Aber diese Position erlaubte es, dass man an anderen Theatern unter der Einhaltung der eigenen Termine gastieren konnte. Und dies waren so 8 – 12 Termine pro Monat.

Eines Tageas rief mich Theo an, um mir etwas Wichtiges mitzuteilen. Ich traf mich mit ihm und er teilte mir mit, dass er 1971 die Direktion des Stadttheaters Leoben niederlegen und in Pension gehen würde. Er würde mich, da die Stadtgemeinde ihm gebeten habe, einen Nachfolger-Vorschlag zu machen, dazu, wenn ich will, vorschlagen und würde auch sonst seine guten Dienste anbieten. Nach einiger Überlegung sagte ich zu und ich bekam letztendlich diese Position.

Warum tat ich das? Ich war nach FRETZER vollkommen ausgelaugt. Ich hatte in den drei Saisonen von 1969 bis 1971 36 (in Worten: sechsunddreißig) Inszenierungen gemacht und bei 20 Rollen oder Partien gespielt. Mein Hirn konnte nicht mehr. Eine meiner letzten Inszenierungen tat ich aus einen Regiebuch eines renommierten Theater, weil mir nichts mehr dazu einfiel.

Ich bekam von der Stadtgemeinde Leoben eine Wohnung und zog mit Kind und Kegel im Jahr 1971 dorthin. Ich fand auch einige gute Freunde. Meinen Wohnungsnachbar der Museumsdirektor Dr. JONTES, der Stadtrat für Kultur HANS KIRNER und auch mit dem Stadtamtsdirektor Dr. FREMUTH kam ich sehr gut aus. Waren die beiden Letztgenannten auch früher wie ich, bei der Exekutive. Auch die von mir dann ins Leben gerufen Märchenbühne brauchte viele gute Bekannte, vor allem VERA POTOTSCHNIG so wie ZÖLLINGER, REITER, uns vor allem nicht zu vergessen den Theatermeister, die Perle des Hauses HUGO MORETTI. Ich konnte an anderen Theater gastieren, den die paar Termine im Monat waren leicht schaffen.

Leider erlitt ich durch den plötzlichen Wechsel vom Workaholic zum relativen "Nichtstun" und eines familiären Trables, eine vegetative Dystonie. Sehr unangenehm, plötzliches Übelsein, auftretenden Schwindel und starke Kreislaufprobleme waren sehr schwer zu bekämpfen. Nur eine große Liebe und Fürsorge und Ruhe in der Familie schaffte es. Doch davon im nächsten Bericht.

Warum war dies eine Weichenstellung? Es ist sehr selten vorgekommen, dass der bereits gemunkelt Kronprinz in einem Theater auch der Nachfolger des gehenden Souveräns wird. So war es für mich gut. Ich ging von St. Pölten weg. Wurde eigener Direktor in Leoben ("konnte auch mit der Gemeinde" Bühnenjargon: eine gute Zusammenarbeit)) und wurde nach Abgehen meines Vorgängers in St. Pölten, dann zurückgeholt. Und die Zusage zur Rückkehr nach St. Pölten das war natürlich eine der wichtigsten, wenn nicht die Endweichenstellung beruflicherseits. Wäre ich dort geblieben, so bin ich mir fast sicher, dass man mich übersehen hätte. Aber ich wurde, da schon bekannt, dringend gebraucht. So die Korrespondenz der beiden Magistratsdirektoren, vielleicht auch nur mündlich, "tausche Internisten gegen Theaterdirektor".