HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Polizeifeste

Dass ich bei der Polizei nicht nur den Straßenverkehr geregelt, Gesetzesbrecher festgenommen, hohe Gäste bewacht und die Republik gerettet habe, ist so ziemlich klar. Dass ich die leichte Muse gepflogen ist aus dem Aufzeichnungen des Theaters in der Postgasse ersichtlich.

Ich war auch beteiligt bei größeren Veranstaltungen, sei es Abteilungs- oder UI-Feste, Bälle der Polizei Sportvereinigung, alle natürlich wie es damals üblich war, mit einem Mitternachtskabarett ausgestattet. Ich hatte hier die Möglichkeit mit den Großen dieser Branche in Verbindung zu kommen. Wie HEINZ CONRAD, ERNST TRACK, PIRRON und KNAPP, KARL HRUSCHKA, WONDRA und ZWICKEL und so weiter und so weiter.

Nicht nur meine aktive Mitgliedschaft bei der Theatergruppe der P.S.V., sondern auch die Protektion des zugeteilten Offiziers am Koat Fünfhaus Herrn Stabsrittmeister STASZNY, wie ich schon im steten Weg berichtete, verdankte ich meine Starstellung des Conferencier bei den diversen Veranstaltungen.

Ich hatte immer die Conference und habe alle angesagt und auch durch den Kakao gezogen. Sie kamen zu den verschiedensten Zeit, nach einer anderen Veranstaltung oder Theater. Ich musste mit der Polizeimusik das vorgeschriebene Programm ändern und einfügen.

So eine kurze Doppelconference mit ERNST TRACK so aus dem Stegreif. Er kam zu seinem festgesetzten Auftritt nicht, die Polizeimusik hatte schon eine Verlängerung gespielt. Und ich bereitete eine Szene vor, zu der ich Tisch und Sessel brauchte. Da dieses nicht eingeplant war, war auch keine Bühnenarbeiter da, um mir zu helfen. Also schleppte ich den Sessel von der einen Bühnenecke zur anderen. Dann tauchte Ernst Track auf der Bühne auf und half mir den Tisch zu tragen. “Was machst Du da? Ich baue um! Was? Das wird eine Szene! Welche? Der neue Österreichische Wiederaufbau. Zwei arbeiten und hundert schauen zu!“

Aber ich kam mit allen gut aus. Besonders MAX LUSTIG war einer mit dem ich mich sehr oft unterhielt. Er hieß eigentlich VESELÝ. Das ist Tschechisch und heißt LUSTIG. Er gab mit die Bewilligung, dass îch eines seiner Bühnenbonmots auch bei meinen Coferencen benützen dürfte. Es war: "Manche Leute lachen gar nicht. Das kann man machen was man will. Ihnen sogar mit dem Hammer auf den Kopf schlagen. Glauben Sie, die werden lachen? Nie!" War doch seine erste Frau ANNI LUSTIG-KRAMER meine Bühnenpartnerin und ihr damaliger Gatte FLEFLE ein herrlicher Kumpel und liebenswerter Mensch. So manche Nacht opferten wir mit anderen Freunden wie RUSCHITZKA GUSTL und BERTY, BINDER MIME-MUNDI später kam auch KURT KOSUTIC dazu, im Cafe KOTBAUER im 8. Bezirk, Ecke Skodagasse und Alser Straße. Es war unser Treffpunkt nach den Proben und Vorstellungen in der Postgasse. Wie Anny zu ihren Künstlernamen Kramer kam, wurde mir nie klar. Sie erzählte, dass der Dichter Remarque im richtigen Namen Kramer hieß und er so verkehrt gelesen seinen Künstlernamen erstellte. Das stimmt nicht wie ich jahrzehnte später erfuhr.Er hieß Re:mark und hat sich dann französisiert. Warum nannte sie sich nicht dann Remarque? Oder Kramer, aber das war ihr Künstlername? Oder VESELY, sie hieß doch LUSTIG? Oder doch nicht? Ich weiß es bis heute nicht.

Ich erinnere mich an die bereits erwähnten Veranstaltungen im Sofiensaal, Konzerthaus, beim Weigl, in den Stefaniesälen, beim Hübner. Einmal hatte ich eine echte Riesentombola zu leiten. Unter der Malinowskibrücke. Heute wieder Floridsdorferbrücke. Es sollen über zehntausend Menschen gewesen sein. Wenn eine Nummer ausgerufen wurde, musste bis zu einer viertel Stunde gewartet werden. Bis der sich irgendwo im Inundationsgebiet befindliche bei Turm gemeldet hatte.

Es war sehr anstrengend, aber auch lustig und lehrreich. Man lernte viele Menschen kennen. Apropo Menschenkennenlernen. Ich war auch bei den Spitzbuben und lernte so auch den Bassisten Reinberger*) kennen. Ich möchte diese ganze Zeit nicht missen.