HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Mein Weg war Theater

In vielen von meinen Erinnerungen, Erzählungen, AUGENBLICKEn, u.s.w. kommt immer wieder durch, dass mein ganzes Streben nach dem Theater hinzielte. Schon in den Aufzeichnungen über meine Kindheit war es lesbar. Also ein erkennbarer Weg, der stetig seinem Ziel dem Theater zustrebte.

Da es aber sich nicht nur um ein paar Jahre handelt, sondern seit der Geburt immerhin sich über 39 Jahre erstreckte und dieser Zeitraum auch während der Polizei doch 18 Jahre belegt war, scheint doch angebracht diesen Abschnitt besonders zu untersuchen.

Man sagt es so einfach: Der stete Weg. Aber welche Abzweigungen und Abweichungen waren vorhanden. Und diese fielen vor allen in diesem Zeitabschnitt. Die eine Abweichung und Verführung zu einem großen Abenteuer habe ich separat unter Himalaja-Projekt*) behandelt.

Gleich zu Beginn. Ich war gerade aus der russischen Kriegsgefangenschaft entlassen. zwei große Weichenstellungen. Die eine durch mein wohnliches Umfeld, einige Freunde vom Bau, die in der SPÖ Ottakring organisiert waren. Sie nahmen mich zu ihren Abenden mit und so ergab es sich, dass ich zur Unterhaltung beitrug. Vermutlich mit großem Erfolg. Denn da wurde mir eines abends das Angebot gemacht, ich solle das Kulturreferat der Parteibezirksorganisation Ottakring übernehmen. Das dies nicht nur mit Kultur, sondern auch mit Politik zu tun hatte, war mir klar. Aber ich wollte nicht. Ich hatte genug davon.

Zuerst einmal als Schüler dieses klerikal faschistische Getue. Jeden Sonntag zu Fuß mehrere Kilometer in die Kirche und zurück. Das öffentliche Beten in der Klasse. Dazu kam noch Jahre später ein Zusammentreffen mit einem dieser PX Jugendfunktionären, das diese Verlogenheit offenbarte. Dann diese sogenannten Freiheit der Jugend. „Wir folgen der Fahne durch Nacht und durch Not, denn die Fahne ist mehr als der Tod!“. Für viele Freunde wurde es eine traurige Wirklichkeit. Also wieder betrogen. Und in Russland? Neue Propaganda. Die Internationale Solidarität. Und der Austromarxismus zu dem ich nun hinsollte, sei ein sehr gefährlicher Abweichler.

Ich wollte mit der Politik zu diesem Zeitpunkt, nach den entbehrungsreichen Jahren des Krieges und vor allem in der Kriegsgefangenschaft nicht zu tun haben. Ich fühle mich noch nicht reif für so eine Aufgabe, war meine Entschuldigung zur Ablehnung. Ich ging nicht mehr hin und suchte mir andere Freunde ( die Kaffeehauszeit ). Angeblich soll der nächste, oder einer der nächsten Kulturreferenten LEOPOLD GRATZ gewesen sein. Was hätte ich vielleicht werden können. Ich war ja politisch nicht vorbelastet. War ja nicht in der NAPOLA.

Kurze Zeit später traf ich einen Bekannten aus der Kriegsgefangenschaft. Eigentlich kannte ich ihn schon vom Fronterholungsheim Weichsel. Wir trennten uns, kamen zusammen, trennten uns wieder, kamen wieder zusammen, u.s.w., u.s.w. Er machte mir das Angebot mich mit Leuten aus dem Nationalratsklub der ÖVP bekannt zu machen. Sie suchen unbelastete Kriegsteilnehmer, aufgeschlossen, intelligent, für künftige Funktionäre in ihrer Partei.

Das ich auch mit den gleichen Worten abgelehnt habe, versteht sich von selbst. Und dies alles in einer Zeit die arbeitsmäßig nicht gerade rosig war. Ich glaube, dass sich diese Politikerangelegenheiten kurz vor meinem Eintritt in die Polizeit abspielten. So November, Dezember 1947, Januar 1948.