HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Haxlbeisser

Nicht nur Liebe und Waschtrog herrschte bei der Polizei. Es gab auch verschiedene Troubles. Abgesehen jetzt von Erlebnissen mit dem Publikum (verzeihen sie das theaternahe Wort), war innerhalb des Korps nicht immer Wonne und Freude.

Da gab es vor allen die zugeteilten Offiziere, die glaubten aus irgendwelchen Gründen einen Wauwau spielen zu müssen. Nach der Kriegs- und Gefangenschaftszeit reagierte ich immer sehr sensibel auf solche Blödheiten.

Einmal sollte ich über Auftrag eines Oberleutnants im Koat Favoriten meinen Rapport ausbessern und als Betreff statt „Vermutliche Körperverletzung gegen Unbekannt“ (Ersparen sie mir die Schilderung dieses Vorganges, es war nur eine besoffene G´schicht in der Nacht), „Versuchter Raub“ schreiben, obwohl es diesen Tatbestand zu dieser Zeit ( um 1963 ) nicht gegeben hat. Denn jeder Versuch eines Raubes hat, da Erfolgsdelikt, schon den Tatbestand des vollzogenen Raubes erfüllt. Zu gesetzlichen Sicherheit sprach ich mich auch mit dem am gleichen Kommissariat diensttuenden Pol.Rat Dr. KONRAD KÖCK ab. (Ich kannte ihn schon, als er noch prov.Pol.Koär. war, und habe mit ihm später in St.Pölten, wo er Polizteidirektor und wirkl. Hofrat wurde, als Stellv. Direktor und auch dann als Intendant, noch viele Erlebnisse gehabt. Aber dieser am Beginn des Absatzes genannte Oberleutnant spielt auch in meinem letzten Auftritt eine wichtige Rolle.

Oder ich hatte als Wachkdt. im Friedrichplatz, das an Anzeigen frequentiertesten Wachzimmer, nach Aufarbeitung von 11 Verkehrsunfällen (!!!!) bei einer Kontrolle durch einen solchen Zugeteilten eine Auseinandersetzung, da er mir Untätigkeit vorhielt, da ich bei seinem Erscheinen, ausrastend nur ruhig im Sessel saß. Ich vermute, er war auch der, der „das Wasser aufgestreut hat“.

Oder einmal, ich hatte sehr starke Kreuzschmerzen und wollte noch wichtige Meldungen und Akte mit der Schreibmaschine fertig machen, als ein solches Umurkerl im Wachzimmer erschien. Ich meldete im Sitzen bei der Schreibmaschine den militärisch vorgeschriebenen Satz und entschuldigte mich, dass sich nicht aufgestanden bin, da ich so starke Schmerzen hätte und ich die Akte noch fertig machen wolle. Worauf dieser süffisant meinte, wenn ich krank sei, solle ich nach hause gehen. Worauf ich sofort mich beim diensttuenden Kontrollinspektor krank meldete und ohne den Herrn Offizier zu beachten ( ich war ja dann schon außer Dienst ) unter starken Schmerzen das Wachzimmer verließ.

Oder einmal wurde mir eine Skizze zu einem Verkehrsunfall als nicht „Das Thema nicht getroffen“ zurückgeschickt, da ich die auf der Skizze gezeichneten Pfeilspitzen zu wenig spitz gezeichnet habe, die zu einer „Quote“führen sollte. Er meinte natürlich Code, aber das hielt er für ein spanisches Dorf.

Diese Haxlbeisserei ließe sich noch beliebig fortsetzen, würde aber niemand weiter interessieren. Ich glaube aber es ist wichtig diese Gegebenheit der damaligen Zeit aufzuzeigen.

Denn durch die starke Durchsetzung der dienstführenden Beamten mit einer abgeschlossenen Matura, ist gegen die leitenden Beamten kein großer Intelligentsunterschied gegeben, und sie mussten oder wollten so beweisen, dass sie das Sagen hätten.

Oder die andere Sorte, die wie ein Instrukteur in der Polizeischule meinte, jeden Tag in der Früh den Ofen aufmachen und hineinsprächen :“Wir danken unserem Führer!“. (Ein politisch aufgeputschter Schrei- und Brüllspruch für das deutsche Volk in der Nazizeit.) Denn unter normalen Umständen wären sie nie auf diesen Posten gekommen. (Natürlich doppelt gemoppelt gemeint).

Mich wundert es, dass ich dies so emotionell schreiben konnte,denn ich bin ja eigentlich nicht nachtragend. Aber ich glaube man versteht die Schilderung "Der letzte Akt" in den AUGENBLICKEn besser, wenn man dies gelesen hat.