HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Forensische Untersuchung



Man sieht in den heutigen Fernsehfilmen wird immer großes Theater gespielt, dass Kriminalbeamten und auch Kommissaren und -innen bei einer Obduktion eines Mordopfers, mehr als die Hälfte schlecht wird. Das schaut immer sehr lustig aus und die Dramaturgie des Fernsehspiels muss das unbedingt auch noch hineinnehmen. Aber das entspricht absolut nicht den Tatsachen.

Bevor nämlich ein Kriminalbeamter, oder gar ein Kommissar in diese praktische Dienststellung kommt, hat er sicher einige Schulen, Kurse oder sonstiges Zeug durchgemacht, bei denen, da bin ich überzeugt, jedes Mal eine Vorführung einer Obduktion auf dem Lehrplan stand, bei der ein Mediziner erklärte warum und weshalb er diese Schnitte oder Sägearbeit an der Leiche vornehmen musste. Und wenn wirklich wer dabei war, der allergisch auf diese Prozedur, samt Geruch ist, hat er es sicher in der Zeit irgendwann daran gewöhnt. ( Ausnahmen bestätigen die Regel.)

Habe ich selbst doch bei meiner Ausbildung, sowohl bei der Grundausbildung 1948, als auch während des Kurses für Wachkommandanten, jeweils einer solchen Obduktion beigewohnte und von allen dabei Gewesenen, das waren zusammen ca. 70 bis 90 Beamte ist nur einem schlecht geworden, der ging hinaus, wie im Fernsehen, kam aber nach einigen Minuten wieder gefasst zurück und blieb bis zum Ende.

Bei meinem ersten forensischen ( auch so ein Blödsinn, denn forensisch heißt gerichtlich oder öffentlich, und was wird mit diesem Modewort (obwohl schon alt) für ein Schindluder getrieben) vielleicht sind auch die es konstruieren zu blöd, um das zu wissen) Obduktion hatten wir einen exzellenten Mediziner, der uns erstens eine Selbstmörderin (graduiert Medizinerin) vorstellte und gleich nach den Y-Schnitt auf die Ursache des Todes hinwies.

Ihre Hyperphyse, die sonst nur bei Kindern vorkommt und dann verkümmert, war noch vorhanden und sie konnte sich dadurch auf ihr Älterwerden geistig und auch körperlich nicht einstellen. Er setzte zwar das übliche Procedere fort mit Lungenquerschnitt, Herzöffnung, Magen- und Blaseninhalt, Uterusöffnung und auch Schädelquerschnitt, wo er auch dann sofort nur durch Riechen den Auslösers dieses Exitus feststellte. Zyankali. (Madelgeschmack.)

Die zweite war eine Wasserleiche eines älteren Mannes, die Kleider im desolaten Zustand, dass man annehmen musste ein Sandler sei im Rausch (Schädelquerschnitt- riechen- Alkohol) in das Wasser gefallen, denn sonstige Gewalteinwirkungen konnten nicht festgestellt werden.

Die nächste Leiche, welche ich in der Sensengasse bei der Obduktion mitzubearbeiten hatte, habe ich total vergessen. So stumpft man ab. Und die Polizisten, welche bei einer Obduktion in Ohnmacht fallen, gehören in das Reich der Fernsehdramaturgen.