HERWIG LENAU
Eine Bilanz

4.Lohn- und Preisabkommen 1950

Einmal und gleich am Anfang meiner Polizeikarriere ging es wirklich um das Eingemachte. Die Kommunisten benützten das 4. Lohn- und Preisabkommen dazu, um in Wien und Ostösterreich mit Hilfe der Russischen Besatzungsmacht zu Putschen, d. h. die gewählte demokratische Regierung Österreichische Regierung in Schwierigkeit zu bringen , so zu stürzen und eine damals sehr beliebte ( bei den Kommunisten) Volksdemokratie zu machen, in der sie das alleinige Sagen hatte.

Sie besetzen Haltestellen, ließen Sand in die Weichen der Straßenbahnschienen und gossen sogar Beton dort hinein. Was alles und wo genau geschehen ist, kann man in besonderen Abhandlungen über diese Zeit nachlesen.

Ich möchte nur meinen Einsatz dazu schildern. Ich wurde zur Alarmabteilung in die Raußauerkasere kommandiert. Dort warteten wir auf einen Einsatzbefehl. Das heißt folgendes: Die Österreichische Exekutive war nicht befugt im russischem Sektor gegen die Aufstandsmacher einzuschreiten. Nur falls diese versuchten in einen anderen Bezirk, der nicht, wie vorhin geschildert der russischen Besatzungsmacht unterstellt war, ihre Aktionen durchzuführen, wurden wir auf Autos verladen und fuhren dorthin um österreichische Arbeiter unter der Leitung ihres Gewerkschaftsfunktionär Franz Ohla zu unterstützen, und um die Putschisten zu mindestens in ihren Bezirk zurückzutreiben. Als „Waffen“ hatte die Polizei, wie die Gewerkschaftler nur Holzknüppel. Der Einsatz jeder anderen Waffe war untersagt.

Da kam auch schon der Einsatzbefehl. Kommunisten wollen mit LKW auf dem Aspernplatz, der Zusammenschluss zwischen Ring und Kai vor der Urania (heute: Julius Raab Platz) in die Schienen und Weichen der dort befindlichen Straßenbahn Sand zu streuen. Wir sausten gleich ums Eck. Da waren schon die Holzgewerkschaftler mit den angekommenen Kommunisten am Raufen. Wir stürzten uns mit Hurra-Geschrei ins Getriebe und konnten mit den Gewerkschaftlern und unseren und ihren Holzknüppeln die Kommunisten über die Aspernbrücke in die Praterstraße zurücktreiben. Dann durften wir nicht weiter. Denn dort war die russische Besatzungszone. Für Österreichs Polizei tabu. Nur eine kleine Schilderung der damaligen politischen Lage, in der du Dienst machen musstest.

Am Rand sei noch eine kleine Geschichte erlaubt. Bei diesen Holzknüppelprügeleien ging es nicht immer ohne Verletzungen ab. Geschwollene Handrücken bei der Abwehr. Blaue Flecke an den Ober- und Unterarmen von empfangenen Schlägen und auch hie und da blutige Köpfe. Wir waren kurz vorher in der Kaserne angekommen, als ein Journalist, ich kannte ihn nicht, in die Kaserne kam, um seinen Kopf verbinden zu lassen. Er hatte mit einem Holzknüppel etwas abbekommen und blutete. Aber er lachte über das ganze Gesicht und strahlte, dass die Polizei so effektiv und schnell mit der Angelegenheit fertig geworden war. Auf unsere Frage, da er doch dabei verletzt worden sei, sagte er, wenn dies sein Beitrag sei, dass Österreich von den Russen verschont würde, würde er noch einige Schläge auf den Kopf vertragen. Und dies war die Schilderung der persönlichen Einstellung zur damaligen Zeit.

Wie würde die Geschichte heute aussehen?