HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Militärschulen 1941-1944


Die hier nachfolgend aufscheinenden Seiten, die Militär und Krieg behandeln, sind von mir so erinnerlich erlebt. Sie wurden nicht von mir und sollen auch nicht von anderen, weder zum Verherrlichen, noch zum Verleumden benützt werden. Ich distanziere mich von den beiden gegensätzlichen Standpunkten. Und würde auch solchen eventuell auftretenden Fällen ganz energisch entgegentreten. Ausgenommen sind die, entgegen den Internationalen Regeln, vorgekommenen Verbrechen.
Der Krieg ist zu verdammen. Aber seit unserer Zeitrechung und auch vorher konnte er nicht, aus den verschiedensten Gründen, verhindert werden. Und nur wer frei von Schuld, und dies bezieht sich auch auf die Familie, Rasse, Nation und leider auch dem Glauben, dem oder denen man angehört, werfe den ersten Stein.
Ich bin für Frieden. Aber solange nicht der kleinste Funken, von dem Gedanken irgend einer Lösung durch Krieg, auf der ganzen Welt verschwunden ist, tut man gut daran dies zu beachten: "Si vis pacem, para bellum!" (Vegetius 400 v.Ch.).

Persönliches:

Gesamtnotendurchschnitt 1.Jahr (auf 6 Noten umgelegt): 2,25..........
(31.3.42)
Gesamtnotendurchschnitt 2.Jahr (auf 6 Noten umgelegt): 2,66.......... (31.3.43)
Gesamtnotendurchschnitt 3.Jahr (6 Noten):...................... 3,00..........
(15.1.44)

Abiturabschlussnoten mit martialischen und auch
unnötigenGegenständen (6 Noten):...................................2,80........ (15.1.44)

Abgangszeugnis der Unteroffz.Schule f. schw.
Waffen ( 6 Noten).............................................................. 2,11.......
(30.9.44)

Notendurchschnitt aller Militärschulen
inkl. kleine Abitur ( 6 Noten)...............................................2,56
(30.9.44)

Außer den in den Zeugnissen angeführten Gegenständen und Tätigkeiten, lernten wir vor allem Selbstdisziplin und Führung einer Truppe unter größtmöglicher Vermeidung von Verlusten, vornehmlich der uns anvertrauten Soldaten. Man verlangte einwandfreien Lebenswandel, keine Drückebergerei und kein Denunziantentum. Man lehrte uns vernünftige und richtige Menschenführung und beispielhaftes Fachkönnen. Machtanhäufungen, Leuteschinderei und Kasernenhof-Entgleisungen wie z. B. von 08/15 Typen, die dem Geist und Ansehen der Truppe schaden, waren verpönt und wurden streng geahndet. Auf dem geistigen Gebiet soll die Erreichung der Mittelschulreife (kleine Abitur oder Matura ohne Latinum) für den späteren Zivilberuf oder für das Einschlagen der Offizierslaufbahn vorbereiten. Und ich hatte überdies auch schon Gelegenheit durch die geschaffene Schauspielgruppe mich im Theaterberuf auszubilden.

Einige detaillierte Daten hatte ich selbst noch in Erinnerung und holte sie mir aus Schriften, Dokumenten und Feldpostkarten an meine Eltern. Sehr viele Daten teilte mir der bereits leider verstorbene FELIX BURIAN mit. Ebenso OTTO MÖNICHWEGER, WALTER SCHIPPLER. Es kommen sicher noch einige dazu.

Ein Buch "Soldaten des Heeres" und ein Artikel im "Kleinen Blatt" in Wien vom 22.10.1940, Seite 3 oder 8 brachte mich auf die Idee, mich mit diesen Gedanken zu beschäftigen. Und ich habe ihn auch um- und durchgesetzt.

Und wenn man mich vielleicht fragen oder zu bedauern versucht, dass ich ein Kind nur schon beim Militär, die ganze Jugend und die Kindheit aufgegeben, u. s.w., sage ich gleich "Stop". Ich habe diesen Beruf, diese Schule, diesen Zustand, relativ gerne aufgeübt. Es gab schon hie und da Gedanken um austreten. Aber was köntest Du in dieser Zeit, denke an das ganze Umfeld, was ein eigener Krieg so mit sich bringt, Du könntest Dir keinen besseren Platz aussuchen. Darüber hier zu schreiben, würde den Rahmen sprengen. Und ich kann auch heute noch, in den 80-er Jahren meines Lebens sagen, ich bin froh und dankbar, dass Alles so gekommen ist.


FOTO: 1941 und 1943. Ärmelstreifen. Das Edelweiß kam erst 1943 dazu, es wurde wie bei den Gebirgstruppen üblich, am rechten Oberarm der Feldbluse getragen.

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