HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Ruhestand


Ruhestand.

 

Nicht mehr prägend, dafür aber sehr viel und leider zu oft nachgebend.

 

In diesem Artikel kommt immer eine Beschreibung und Erwähnung im Maskulinum vor. Das ist kein Herabwürdigung oder Missachtung des weiblichen Geschlechtes. Aber in meinem Alter, und als Regisseur und Intendant ist man ja bereits geschlechtslos und die Erwähnung des Femininums würde Satzwürmer ergeben, die wohl jetzt schon öfters zu lesen sind und falls man sie noch dazu ziseliert würden sie noch mehr werden. Also lassen sie einen Alten granteln und nehmen sie es nicht auf die ernste Tour. Danke!

 

Kann ein Kranker überhaupt von seiner Krankheit in Ruhestand gehen. Natürlich nicht! So kann ein Besessener ebenfalls nicht Abschied von seiner Besessenheit nehmen. Und wie es nun mit den Schauspielern? Den Ärmsten unter den Irren, die sich unter normalen Menschen bewegen dürfen. Wenn man einen geistig Beeinflussten oder geistig überarbeiteten Menschen seine subjektive Verbindung weg nimmt, dann kann lt. medizinischem Urteil ein Problem mit schweren geistigen Folgen geschehen. Der Kranke vermisst auf einmal etwas, welches seinem Leben Inhalt gegeben hat. Ich will diese Gedanken nicht weiterführend. Dazu sind Psychiater zuständig. Aber ähnlich ist es bei Schauspielern, die ihr ganzen Leben einem inneren Zwang gehorchend und natürlich freiwillig in andere Menschenschicksale hinein geschlüpft sind. Und nicht nach Jahren, Monaten oder Wochen, sondern in drei, vier Stunden später in eine andere Figur, denn da begann die nächste Vorstellung. Ich will mich jetzt auch dazu nicht äußern, wie man zur Darstellung der zu darstellenden Person kommt, das steht Schauspiellehrern zu und ich bin nicht so einer. Ich habe zu wenig Geduld. Aber bin bereit, über dieses Thema, sei es von den griechischen Dramen des Sophokles und Euridipes, Shakespeare, Neuberin, den verschiedenen Stilrichtungen, über Stanislawski, Brecht bis zu den heutigen Schockdarstellungen und den bereits mit Bart behafteten "Hamlet im Frack" privatim zu diskutieren und meine Erfahrungen dazu zu sagen.

 

Wen man den ersten Satz gelesen hat, wird einem klar, dass in diesem Zeitabschnitt es keine Prägenden gibt. Diese Zeit ist abgelaufen. Denn ich glaube auch, dass man einen Menschen nur aktiv prägen kann, wenn man selbst erfahren, durch langen Zeitraum angefallenen Weisheiten, wollen wir sie so nennen, aufgenommen, verarbeitet und geistig umgesetzt hat. Also meistens von älteren Menschen. Es gibt vielleicht Ausnahmen. Und damit bin ich schon bei meinem nächsten Punkt.

 

Ich war mein ganzes Leben ein sehr bestimmender Mensch, wenn ich auch aus den verschiedensten Gründen, Schutzwälle eingebaut hatte. Aber zum Schluss war meine Meinung bestimmend und sie musste so auch ausgeführt werden. Aber da gab es Ausnahmen, die die Regel bestätigten. Diesmal will ich nicht zum nächsten Punkt gehen, sondern etwas dazu anführen. Sie sehen, dass sich mein bestimmender und auch selbst bestimmender Charakter (vielleicht auch Egoist, aber nur wenn es Anderen auch gut geht) mit dem immer wieder kommenden Nachwort, der Möglichkeit der Ausnahmen sich geändert hat. Denn im Hintergrund meines Gehirns war durch die Zeit die Erkenntnis gekommen, dass es doch möglich ist, dass der Andere Recht hat. Oder auf einen sagen wir positiveren Weg damit führen könnte. Also ich bin nachgebender geworden. Es spielen natürlich auch andere Gründe mit.

 

 

Künstlerisch

 

 

Ich habe das Thema Theater vorhin angeschlagen, aber so richtig wohl ist mir, wenn ich an die Zeit denke, nicht dabei. Ich glaubte im Ruhestand werde ich mit Angeboten überschüttet werden. Aber so war es nicht. Wie du von Fenster weg bist, ist auch der Eiserne herunten, wenn das Theater nicht ganz zu gesperrt. Ich spielte noch 1 der 2 Rollen in meinen ehemaligen eigenem Haus. Dann war es dort aus. Ich wusste nicht warum er mich an log. "Schau, ich lasse den Regisseuren den Willen zur Besetzung der Rollen und wenn Dich niemand will, habe ich auch nichts!" Das war so dumm und undiplomatisch, den um die dabei besprochen Rolle war in einem Stück in dem er selbst Regie führte. Seine Aversion gegen mich scheint auch andere Umstände zu haben, die ich erst später erfahren habe. Aber dafür konnte ich nichts, ich habe niemanden aufgehetzt oder Ezzes gegeben. Denn dies war unmöglich, denn so viel Geld war nicht vorhanden. Es waren Gagengleichforderungen, wie ich später erfuhr, die er den anderen bereits zahlte. Das Fazit war, dass er nach der Saison ein zweistelliger Millionen Minus in seinen Etat schrieb. Ja das Karussell im Theater dreht sich schneller und brutaler, fasst wie ein Börsenkrach und nimmt keine Rücksicht auf subjektive Personen.

 

Man lernt seine wahren Freunde erst in diesem Zustand kennen. Zuerst Joey und Karin mit einer Deutschland-Schweiz-Tournee. Und dann vor allen Willi, der mich schon in Bad Hall beschäftigt hat. Und mich weiter beschäftigte, bis ich meinen 80. Geburtstag auf seiner Bühne mit Publikum feiert. Er bot mir weiter Rolle und Rolle an, obwohl ich krankheitshalber nicht mehr im Stand war zu spielen. Er hat mit viel Liebe und Verständnis, mir Auftrieb zu meinen geliebten Beruf noch gegeben. Danke!

 

Andere Angebote sei es Film, Lesungen und so weiter wurden immer weniger und hörten ganz auf. Daran ist auch meine zweimalige Karzinom Stimmbandoperation schuld. Die Stimme klingt nicht mehr. Ich kann meine Stimme nicht mehr beherrschen. Sie beherrscht meine Sprache. Und das ist für eine künstlerischer Darbietung Betrug.Man muss auch dieses mit aller Deutlichkeit sagen.

 

Was sich im Ruhestand mit Freunden aus privater Sphäre , meinen Kindern und Kindeskindern tat oder abspielte, um bei einem Terminus technicus theatralis zu bleiben, ist so privat und noch zeitlich ohne Abstand, dass man es in einer Homepage nicht erwähnen sollte. Und auch über meine liebe Frau Christa. Ich liebe sie sehr und auch meine Kinder und Kindeskinder, und Freude, trotz ihren eventuellen Fehlern, wie man allgemein ein anderes Verhalten als gewünscht, bezeichnet. Ich bin mir niemanden zerstritten, nur total abgewendet von den die mich so stark beleidigten und versuchten meinen Ruf zu schädigen. Aber wie ich schon gesagt. Ich kann es erwarten.