HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Spionageverdacht 86



.Ich erwähnte in meiner Theaterbilanz, dass im Jahre 1986 die Operette „Der Zigeunerbaron“ in meiner Inszenierung, in zwei Theatern, in ganz Europa gezeigt wurde. Von Veilje in Dänemark bis Basel in der Schweiz und von Kostanz am Bodensee bis Constanza am Schwarzen Meer.

Um die Vorstellungen in Rumänien zu ermöglichen, musste ich natürlich probieren. Dazu flog ich über Einladung meines Kollegen Nicolae CIUBUK; Theaterdirektor des Staatstheaters in Constanza, mit einer Boing 726 vom Flughafen Wien-Schwechat nach Constanza. Ich saß fasst ganz allein in der Maschine.

Kam gut in Constanza an und begann dann auch mit den Proben. Warum auch. Ich absolvierte dort auch eine Schlammkur im nahe gelegenen Efori Nord, eine berühmtes Heilbad nach Hüftoperationen und ich hatte gerade einer hinter mir. Und das auf rumänische Krankenversicherungskosten, da ich ja am Staatstheater beschäftigt war. Ich musste nur einen geringen Betrag dafür zahlen. Nebenbei die Kur tat mir sehr gut. Hätte ich das Geld, ich wäre jedes Jahr dorthin gefahren.

Aber nun weiter zum Hauptpunkt meiner Geschichte. Und nicht nur, dass ich den Zigeunerbaron dort inszenierte mit den Opernkollegen des Staatstheaters, nebenbei sprachen fasst alle keine Wort deutsch und sie lernten den Text ( auch Prosa!) rein phonetisch und er war zu verstehen, sondern ich suchte auch für meine Theater in St .Pölten rumänische Sänger für meinen Chor. CIUBUk gab mir die Möglichkeit zum Vorsingen in seinem Theater und ich engagierte auch 2 oder 3 Sänger.

Damals mussten diese Verträge über die rumänische Staatliche- Künstlervermittlung abgeschlossen werden. Das tat ich auch und schickte mittels Einschreiben „RECOMANDATIO“ die Verträge nach Bukarest und bekam von der Post die Bestätigung der Einschreibesendung. Das ist wichtig, denn dies spielt bei dem Hauptthema dann eine große Rolle.

Also die Proben waren gut gelaufen, ich habe einige Sänger engagiert und hatte noch einige Schlammanwendungen am Vormittag und fuhr dann abends mit dem Ensemble hie und da zu ihren Abstechern mit. Meistens spielten sie in Mamaia. Ein Nobelort am Meer für deutsche Touristen, daher die Inszenierungen deutscher Sprache. Wir fuhren auch nach Eforie Sud und nach Neptun, auch ein Nobelbadeort am Schwarzen Meer. Hier hatte der rumänische Diktator Ceausescu eine Prachtvilla.

Am liebsten war ich mit einem Sänger zusammen, er sprach keine Wort deutsch, ich kein Wort rumänisch. Unsere Mini-Unterhaltung war wie bei der Theatersekretärin von CIUBUK auf Russisch (Sie wurde als Kind nach Russland deportiert und kam erst als Erwachsene zurück.)

In Neptun saßen wir auf einer Bank nahe der Ceausescuvilla und sangen gemeinsam auf Wienerisch !! „Das Fiakerlied“. Er hatte nämlich im Vorjahr in Wiener Blut den Kagler gegeben und es wurde ihm das Fiakerlied eingelegt. Dem Conducator scheint es gefallen zu haben oder er war nicht zu Hause, denn wir wurde nicht gestört und konnten unsere Darbietung , inzwischen hatten sich viele Kurgäste eingefunden, zu ende bringen und viel Applaus ernten.

Ein Besuch in einem berühmten Weinbaugebiet in Murfatlar war auch angesagt. Der Wein, wie in Österreich die gleichen Sorten, schmeckten auch so, wirkte doch dieses Minital, wie die Wachau. Die Rumänen hatten um den Wasserweg auf der Donau zu verkürzen und das Donaudelta nicht zu viel zu schädigen, einen, wo die Donau in Rumänien nach Norden fließen will, geraden Weg zum Schwarzen Meer gezogen.

So vergingen nun die letzten Tage und die Zeit zur Abreise kam. Dazu wäre noch zu sagen, dass rumänische Kollegen, welche ich nicht engagieren konnte, da ich keinen Platz mehr in meinem Ensemble in St, Pölten hatte, mir Ihre Namen, Adressen und Telefonnummer gegeben hatten, falls ich sie doch noch brauchen würde, damit ich sie gleich verständigen könne und auch damit ich mich ja an sie erinnere.

Der Koffer und meine schwarze Aktentasche waren gepackt und fuhr mit dem Taxi zum Flugplatz. Wieder kein Mensch beim Einchecken nur in der Lounge waren sehr viele abgefertigte Urlauber schon vor mir und warteten bis sie zum Flugzeug gebracht wurden. Die Zollkontrolle war sehr verschlafen, sagte nur ich solle meine Aktentasche öffnen. Dies tat ich und da griff er in das kleine Steckfach in dem die Adressen waren und zog sie heraus. Plötzlich wurde er hellwach und sagte: „Moment, please!“ und ging weg.

Er kam nach einer viertel Stunde mit einem anderen vermutlich höher gestellten Uniformierten zurück. Der erkundigte sich in deutscher Sprache, was diese Zettel mit den Namen und den Adressen seien. Ich erklärte ihm den Zusammenhang. Er ließ mich dann, jedoch ohne mir die Zettel zurückzugeben in Lounge weitergehen. Dort stand ich nun fürchterlicher Enge zwischen den deutschen und österreichischen Touristen, die wie ich mit dem Flugzeug nach hause wollten. Sie schimpften über die Verspätung. Sie sollten längst schon in der Maschine sein.

Ich konnte mir schon vorstellen, was los war. Meine Aussagen wurden nämlich sicher überprüft. Da könnte ja ein Spionagefall vorhanden sein. Was sollte man im übrigen Europa mit Adressen von rumänischen Staatsbürgern anfangen. Oder waren die vielleicht geheime Schläfer (Fachausdruck der Spionagedienste im Kalten Krieg) im Solde des Kapitalismus und ihr Führungsoffizier, das wäre vielleicht ich, hätte sie überprüft und Instruktionen gegeben .So warteten wir wieder eine halbe Stunde bis wir endlich im Flugzeug saßen. Inzwischen hatte mich ein Urlauber angesprochen, der mich aus St. Pölten kannte und mir noch einen Zettel über Ersuchen eines rumänischen Kapellmeisters übergeben. Aber die anderen Zettel hatte ich immer noch nicht. Und dann eine Durchsage im Lautsprecher in der Maschine, dass angeblich durch technische Funkstörungen, keine Verbindung mit dem Zielflughafen in Wien gebe und wir in Bukarest außertourlich zwischenlanden müssten.

Alle war sehr erregt, nur ich witterte Bescheid. Ist der Mann, der aus aus St. Pölten kam. Ein Spion? In Bukarest war dann die angekündigte Zwischenlandung, auch mit einer halben Stunde Dauer. Dann kam eine männlicher Stuard und übergab mir in einem Kuvert meine Adressen und oben auf lagen die Postbestätigungen der Einschreibesendungen an die staatliche Künstlervermittlung, die ich vor einer Woche abgeschickt hatte.

Das Flugzeug startete nun und erreicht, zwar mit einen einstündigen Verspätung, den Flughafen Wien-Schwechat. Die Heimat hatte mich wieder. Gott sei dank!

Ein Spion wurde diesmal nicht enttarnt, sondern ein Unschuldiger entlassen. Nicht nur das. Sondern er war auch guter Handelspartner für Rumänien. den er hatte, und das hatte ich mir inzwischen im Gedanken zusammengeklaubt, tausende Dollar an der rumänischen Staat bisher überwiesen. Denn die Vermittlungsgebühren für rumänische Künstler mussten der staatlichen Vermittlungsstelle in Dollar überwiesen werden und da ich Jahre vorher und auch mehrere Rumänen in meinem Ensemble hatte, hat sich das so zusammen geläppert.

Somit bin kein James Bond geworden, sondern Theaterintendant geblieben.