HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Papa in München 42



Ich war mit Papa sehr oft im München beisammen. Er war noch bei der Bahnpost und wenn er nach München fahren musste, besuchte er mich immer. Sowohl in der Kriegsschule, als auch wenn ich frei hatte. Dann gingen wir in München spazieren, sahen die alten (Pinakothek ect. ) und die neuen Bauten (Haus der deutschen Kunst) an, die Theresienwiese: "Dort und war immer das Münchner Oktoberfest"! Während des Krieges wurde es aber nicht veranstaltet.

Dann waren wir meistens Stammgerichtsessen in einem kleinen Gasthaus (es besteht heute nicht mehr) Ecke Seidlstraße und Arnulfstrasse gegenüber dem Starnberger Bahnhof und der Unterführung zum Holzkirchner Bahnhof in der Bayer Straße. Papa wohnte immer in der Mittererstraße, ganz in der Nähe des Bahnhofes, das war auch nicht so weit von der Kriegsschule. Wenn ich allein Stammgericht Essen ging, so war meine Anlauf meistens in der Kaufiungerstrasse das Pschorr- und das Hackerbräu, dann auch das Benediktinerbräu beim Marienplatz. Dort habe ich in den 80 Jahren, als ich es wieder besuchte, bei meinem seinerzeitigen Stammsitz eine Speisekarte aus dem Jahre 1943 mit Preisangabe und Abgabe von Lebensmittelmarken dazu, an der Wand hängend gefunden.

In München hatten wir, wie in Wr. Neustadt, Urlaub zu Ostern, im Sommer und zu Weihnachten.

Um nach Wien zu kommen mussten wir die Eisenbahn benützen. Die Fronturlauberzüge, so hießen sie, die Soldaten mit Freifahrscheinen benützen konnten, waren immer bis zum Bersten überfüllt. Man "stieg durch die Fenster aus und ein". Und mein Zug nach Wien ging von München immer nachts.

Aber durch die Bekanntheit meines Vaters bei der Bahnpost, konnte ich mir das ersparen. Ich stellte mich bei den Männern im Bahnpostwagen vor und hatte sehr oft die Möglichkeit in dem Bahnpostwagen mitzufahren. Das heißt: Ich konnte mich auf die leeren Säcke, in denen Briefe befördert worden waren, hinlegen und bis Wien schlafen, während die anderen Soldaten um einen Stehplatz kämpften mussten...