HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Officer at British Forces 59

Officer at British Forces.

In meinen AUGENBLICKEN beschrieb ich auch schon über nicht deckende Rollen von mir (Verrisse), so werde ich einmal über eine gelobte Darstellung schreiben.

Es war das Jahr 1959. Ich inszenierte und spielte in der Neuen Wiener Bühne einen uralten Schinken von M. Lengyel, "Antonia". Es handelt sich bei dem Stück, um die Besatzungszeit nach dem I. Weltkrieg und Alexander STEINBRECHER hat es nach dem II. Weltkrieg angesiedelt. Antonia ein sehr schöne Frau, jetzt Gutsbesitzerin in der Steiermark, war einmal eine sehr berühmte Chansonnette, und bei einem Barbesuch lernt sie den britischen Besatzungsoffizier kennen, beide verlieben sich, aber konnten zusammen nicht kommen, den sie war schon verheiratet. Und er muss sich nun mit ihrer Nichte, die nichts anders englisch konnte als "Very nice weather today!", abfinden.

Diesen britischen Offizier spielte ich und das Schönste und Interessanteste an der Rolle war, dass er das ganze Stück kein Wort deutsch sprach. Sein Englisch wurde von einer Bekannten, die mit einer anderen Bekannte immer dabei war, übersetzt. Und so wusste das Publikum immer was er gesagt, oder was andere auf Englisch zu ihm sagten.

Die Premiere war ein großer Erfolg. Nur dass ich bei dem Ruf nach dem Kellner: "Waither!", mit dem kleinen Finger der rechten Hand, in das auf dem Tisch stehenden Glas mit Himbeerwasser (Ersatz für Rotwein) hängen blieb, es umwarf und der ganz Saft, im wahrsten Sinne der Wortes über meine hellbeige Uniformhose schüttete. Das war im I. Akt und ich musste noch drei Akte mit der rot bekleckerten Hose spielen.

Bei der Premierenfeier beim XX in der Langegasse waren wie immer auch viele Menschen dabei, die ich nicht kannte. Mir gegenüber saß ein Mann mit seiner Frau, beide etwas älter als ich und die schauten mich immer sehr komisch an. Die Stimmung war ausgezeichnet. Und da der Bruder der Hauptdarstellerin Hilde TETTINEK, Kammersänger Walter BERRY anwesend war, stach mich der Hafer und ich sang recht angeberisch den Schluss eines Liedes, das mir der Komponist LEITNER gewidmet hatte. "Und wenn ich komm und wenn ich geh, sing ich das Lied vom tiefen C!" Mit einem echten Tiefen C, denn den Ton hatte ich darauf, wie das Amen im Gebet. Berry bot mir dann scherzhaft eine Million Schilling für das Tiefe C. Aber wir konnten nicht handelseins werden.

Aber nun zu meinem Gegenüber. Sie hatten immer noch nicht zu mir gesprochen, nur mich immer angeschaut. In eine Pause hinein fragt mich auf einmal der Mann, er hieß POLDI, in welchem Regiment bei der British Force als Offizier ich gedient hätte? Ich sagte, nein ich war nicht bei den Briten, sondern bei den Preußen. Ich fasste das BRI und das PREU noch als Witz auf. Aber er ließ nicht nach, auch von seiner Frau unterstützt: "Das Benehmen auf der Bühne, sogar das Übergehen des Ungeschicks mit dem Weinglas, meine Bewegungen und vor allem die Sprache, vor allem die Sprache. Er könne das sagen, denn er habe in einer solchen Abteilung während des Krieges gedient. So sprechen nur englische Offiziere der Infanterie- und Nachrichtentruppen. Ich kann sagen, was ich will, die Sprache verrät mich voll und ganz."

Also ich war von den Socken. Eine solche großartige Kritik zu einer Rollengestaltung tat mir sehr gut und ich war stolz, obwohl ich die Lösung hinsichtlich der Sprache jetzt wusste. Dazu muss ich sagen. Ich habe außer einigen Stunden, auf Drängen meiner Mama am Arthaberplatz in der Volkshochschule Ottakring, nie englisch gelernt. Um also die Rolle gut und richtig englisch zu sprechen, kam ich mit meinem Freund Friedl, dem Mann von der Hermi, zusammen und er lehrte mich rein phonetisch die Aussprache dieses Textes. Aber auch er war kein Royalofficer, sondern Leiter des Offizierskasinos (Masterchief of Stewards) der britischen Besatzungsmacht in Wien. Durch seine Arbeit kam er nicht nur täglich, sondern auch schon jahrelang mit britischen Offizieren zusammen und lernte so, das Sprachidiom dieser Kaste.

Wie lautete der erste Satz meiner Rolle (ich kann ihn heute noch): "Please tell the bandleader, not to play the british national anthem, when i come in!" (Auch nicht englisch gelernt?): "Sagen Sie bitte dem Kapellmeister, er soll nicht die englische Nationalhymne spielen, wenn ich hereinkomme!"

Poldi, seine Frau und ich wurden Freunde und er hat mir meine Version geglaubt. Nur hie und da sagte er, "Give my a little island feeling ", "Gib mir ein bisschen Inselgefühl". Dann sagte ich ihm, was Capitan Harris Parker beim Eintritt in die Bar dem Kapellmeister sagte.