HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Metamorphose 64

Metamorphose eine Shakespeare-Rolle.

Ich hatte keine Erinnerung daran. Aber mein Freund HORST, alias Dr. MARTIN FLOSSMANN, erzählte es immer, wenn wir in Gesellschaft waren.

Ich hatte einst im Jahre 1962 "Der Widerspenstigen Zähmung" inszeniert und spielte auch den Petrucchio. Horst den Grumio.
Abgesehen davon, dass ich die Handlung aus kostümtechnischen Gründen vom italienischen Renaissance in den Wilden Westen verlegte, musste auch sonst überall gespart werden.

Am Schluss des 1. Auftritt des 3. Aufzuges hatte ein Diener an Bianka folgendes zu melden (Diener auf.): "Fräulein, der Vater will, Ihr laßt die Bücher und helft der Schwester Zimmer aufzuschmücken, Ihr wißt, auf morgen ist der Hochzeittag!" Bianka: Lebt wohl.....!" (Bianka und Diener ab.)

Der geneigte Leser sieht schon: ein Diener- ein Satz. Und wo bei schmalen Budgetbeutel diese Sprachkoryphäe hernehmen.
Ein Bühnenarbeiter nennen wir ihn Willi, da er das wienerische L und sonstige Sprachnuancen in diesem Idiom bestens beherrschte. Aber nicht die geforderte Bühnenhochsprache.

Also, Willi tritt auf und " Freilein da Vata willl, i-a lllast de Biacha und helllft da Schwesta Zimma aufzaschmickn, Ihrrr wisd, auf murgn is da Hochzeit da!"

Ich: "Nein, das geht wirklich nicht. Bitte sage nur: " Fräulein Ihr sollt der Schwester Zimmer herzurichten helfen!" Wenig Ls, noch im Sprachvers und auch keine großen Sprachhindernisse.

Willi: "Freilein Ihr soid des Zimmer von Eichara Schwester ausramma!" Nein, das ging nun auch wieder nicht.

Glücklicherweise stand dort, ansonsten in der Mitten sitzend, die Souffleuse POLDI.

Da mein metamophorischer Geistesblitz. "POLDI, bitte rufe einfach statt diesem Auftritt aus der ersten Gasse: Bianka!"

Und Bianka ging ab und das Stück konnte sich weiterentwickeln.

FOTO: HERWIG SULZENAUER, MARTIN FLOSSMANN "Der Widerspenstigen Zähmung" 1964