HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Leopold LINDBERG 78


Es muss in den letzten 40-er oder den ersten 50-er Jahren gewesen sein. Es stand noch, das heißt, er lag noch in Trümmern, der alte Westbahnhof.

Ein Eldorado für Trümmerfilme Macher. So wurde eines Tages in Bereich des Postbahnhofes bei den noch teilweise zerstörten Geleisen und total zerstörten Überdachungen der Bahnsteige und aufgerissen und notdürftig zusammen geflickten Perrons wieder eine Filmsequenz gedreht. Und zwar aus „Die vier im Jeep“ eine am „Dritten Mann“ angelehnte Handlung.

Die Hauptrolle hatte Viveca Lindfors, ein damals aufstrebender Star. Im Film sah man noch Hans Putz und Josi Jadin, als Russen. Er war viel später im Theater an der Wien der erste „Tevje“ in „Anatevka“. Aber am Set war nur eine Szene mit Lindfors und den Regisseur LEOPOLD LINDBERG.

Da der Set sehr abgelegen lag, war es mit der allgemeinen Kommunikation, Telefon, Taxi etc. sehr schwer dies zu finden. Ich hatte dort Bahnhofsdienst und sah interessiert zu und war dem Regisseur, der sehr höflich und auch gekonnt seine Regiebemerkungen tat, mit einigen Auskünften und auch sonst hilfreich. Nachdem die Szene im Kasten war, bedankte man sich und ging auseinander.

Ca. 30 Jahre später, ich spielte die Posse mit Gesang vorn Johann N. Nestroy „Liebesgschichten und Heiratssachen“ in der Burgtheaterbearbeitung von LEOPOLD LINDBERG mit JOSEF MEINRAD in der Hauptrolle. Zugleich war ich Mitglied der Wiener Dramaturgie und wir trafen uns monatlich im Besprechungszimmer des Theaterwissenschaftlichen Institutes in der Wiener Hofburg am Michaeler Platz.

So nahm auch einmal auf Einladung von Prof. HÄUSSERMANN auch LEOPOLD LINDBERG teil, wir kamen über seine Bearbeitung ins Reden und ich erwähnte, dass wir uns schon einmal begegnet waren und ich erzählte ihm von den Dreharbeiten im alten Westbahnhof. Da wurde er plötzlich interessiert und war ganz aus dem Häuschen: „Das waren Sie? Ich habe von Ihrer Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit in der ganzen Welt bei Filmaufnahmen davon erzählt.!“ Er war ganz begeistert und enthusiastisch. “Ich kann mich noch sehr gut an Sie erinnern!“

Das hat mich sehr erfreut. Aber wie es schon ist. Wenn es nicht wahr ist, so ist es, wie einiges andere, doch gut erfunden.