HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Kunstname LENAU 65

Lenau statt Sulzenauer.

Warum kam es zur Namensänderung? Die hatte zwei Gründe. Während des Schreibens kam ich darauf, dass es doch drei Gründe waren.

Einer, nicht der maßgebendste, war der Name mit vier Silben. Es war in dieser Zeit ( um 1965) noch üblich für die Bühne prägnante und kurze Namen zu finden. Sulzenauer hatte vier Silben, welcher Schauspieler hatte, Doppelnamen ausgenommen in seinem Familiennamen schon vier Silben. Ich kannte keinen. Drei Silben gingen noch. Aber wenn schon geändert werden soll, dann zwei Silben, prägnant, ins Ohr gehend, irgendwie bekannt vorkommend, u.s.w. Sehr sympathisch, wohlklingend und vor allem kurz.

Aber warum überhaupt Namenswechsel? Außer den schon erwähnten Gründen gab es bei mir einen viel schwergewichteten Grund. Und das war so: Ich war zu dieser Zeit noch Angehöriger der Bundespolizei Wien und als solcher unterstand ich der Bundesbeamten- Dienstpragmatik.

Das war der springende Punkt. Die Nebenbeschäftigung. Eine solche durfte man nur ausüben, wenn man von seiner Dienstbehörde, nach schriftlichem Ansuchen die Bewilligung dazu bekam. Was waren die Voraussetzungen einer solchen Bewilligung? Ich habe es nicht mehr genau im Wortlaut in Erinnerung, aber sie sollte dem Beamtenstatus nicht abträglich sein (Zuhälter, Klosettbetreuer u.a.) , sie soll jede Möglichkeit einer Parteilichkeit und einer eventuellen Geschenkannahme in Amtssachen ausschließen und ich müsste jederzeit erreichbar sein.

Ja, da lag bei mir der Hund begraben. Ich hatte solche Bewilligungen für Wiener Bühnen, für das Stadttheater Baden und St.Pölten und auch für die Mitwirkung bei Filmen schon bekommen, aber die Entfernung von Wien nach Klagenfurt erschien dem Sachbearbeiter, sonst kam ich ja mit ihm gut aus, er war Mj. Müller von Generalinspektorat der Wr. Sicherheitswache in Wien, doch zu weit, um eine sofortige Erreichbarkeit zu gewährleisten.

Und mein Gegenargument, wenn ich einen großen Spaziergang in den Wienerwald machen sollte und erst nach vier Stunden zurückkam, denn Handys gab es zur dieser Zeit noch nicht, läutete das Telephon in meiner Wohnung, aber ich konnte nicht abheben, da ich wie gesagt im Wienerwald spazieren war. So vergingen vier Stunden, bis ich erreichbar und meinen Dienst antreten konnte.

Würde man mich aber, falls ich nun in Klagenfurt wäre, dort anrufen, könnte ich mit meinem Pkw. in vier Stunden in Wien und im Dienst sein, wie vorhin nach meinem Wienerwaldspaziergang.

Dann war noch etwas, das fällt mir jetzt als dritter Grund ein. Ich spielte in einen Sexfilm, so hieß er damals, heute ist es ein Kultfilm der 60er Jahre, einen Polizisten, der ein belastendes Indiz bei dem vermutlichen Mörder ( gespielt von Herbert FUCHS) festgestellt hatte und so konnte er überführt werden. Wer den Film heute noch sehen will. Im Österreichischen Filmmuseum erscheint er in Abständen und er heißt: „Geisel des Fleisches“ und er behandelt den Opernmord. Ein damaliges Tatsachengeschehen. Und es spielten Kollegen aus Burgtheater und Volkstheater mit. Also, ein Schmuddelfilm war es nicht.

Aber ich traute doch den moralischen Bedenken des Sachbearbeiters der "Nebenbeschäfigungsbewilligungsaustellung" nicht und dachte auch an eine Namensänderung nach, damit der Name nicht gleich ins Auge fiele.

Ich nahm meinen guten Namen Sulzenauer her, strich einige Buchstaben und ohne die Reihenfolge zu ändern, wurde daraus LENAU. Ein im Deutschsprachigem Raum bekannter Kunstname, denn auch der liebe Nikolaus Lenau, hieß nicht so, sondern Strehlenau. Und um ganz von mir abzulenken setzte, meinen zweiten Vornamen Richard vor, ließ noch das H. stehen und hieß für eine kurze Zeitspanne im Film und auf dem Theater Richard H. Lenau.

Als ich mein Jahresengagement in Klagenfurt nach Abgang von der Polizei antrat, behielt ich den Kunstnamen Lenau, denn abergläubig durfte ich als Schauspieler schon sein; hatte er mir doch Glück gebracht und ich setzte wieder meinen Vornamen Herwig voran.

Dazu wäre noch zu sagen, dass der Name Lenau und die erste Rolle, die ich in Klagenfurt spielte, dazu beitrugen, dass ich den Spitznamen „Lenni“ bekam, den alle noch lebenden Klagenfurter Kollegen und Kolleginnen bis heute gebrauchen.