HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Im Hauptmann von Köpenick 69

Im Stadttheater St. Pölten im Jahre 1969 wurde "Der Hauptmann von Köpenick" gespielt.

Ich stellte die beiden Juden in dem Stück dar. Am Anfang den reichen eleganten Geschäftsmann und Mode- und Maßuniformschneider Adolf Wormser, bei dem der Uniformrock nach Maß anfertigt wird, den später der Flickschuster Wilhelm Voigt, als Hauptmann von Köpenick trägt. Und später den armen alten Tandlerjuden Krakauer, der diesen Rock, schon 2 x gebraucht (Gardeoffizier und Bürgermeister von Köpenick), an Voigt verkauft.


Das dies zwei grundverschiedene Rollen sind, ist jedem klar. Aber dem Starkritiker der Arbeiterzeitung WALDEN ging nicht ein, wieso ich als Krakauer, auf der Bühne um zwei Köpfe kleiner war.


Die Lösung war einfach. Auf unserer Bühne befand sich eine Versenkung. Ca. 2-3 m lang und 1 m tief. Sie verlief quer zum Zuschauerraum. Diese wurde ca. 30 cm abgefahren und auf der Bühne vor der Versenkung zur Publikumsseite ein Ladentisch gestellt. Die hinter mir hängenden Requisitenkostüme und auch der besagte Offiziersrock waren auf einem niedrigen Gestell, das für mich zu erreichen war und ich stand auf der teilweise heruntergefahrenen Versenkung und war so vom Zuschauer aus gesehen um zwei Köpfe kleiner. Ich brauchte nicht aufzutreten oder abzugehen und stand die ganze Szene einfach auf der Versenkung.

Walden hat nicht nur meine künstlerische Leistung, die differenzierte Darstellung der beiden Juden, sondern den Trick mit der Versenkung in seiner Kritik in der Arbeiterzeitung besonders hervorgehoben.