HERWIG LENAU
Eine Bilanz

FIS Olympiaabfahrt 1936 42



Bevor ich von der Infanterieausbildung zu den Gebirgsjägern kam, wurde ich zu einer Bergausbildung im Februar 1943 abkommandiert. Ich weiß nicht ob es Zufall war oder schon Planung, aber glaube, wie ich den Betrieb hier kenne, war es "das liebe Jesulein" oder aber der Zufall. Die 1.Kompanie der Herresunteroffiziervorschule VII München wurde auf ein Biwak- und Skilager nach Garmisch Partenkirchen verlegt. Es muss so Jänner oder Februar 1943 gewesen sein.

Also das Biwakieren oben nächst der Barbarahütte, im Schnee vom Kreuzeck, ging ganz schön in die Hose. Die von uns hergestellten Iglus, im Schnee ausgestochen und ausgeschnitten nach Vorlagemustern zusammengesetzt, mit einem Ofen zum Heizen innen, wurden am Tag hergestellt und nachts sollte es zum Einsatz kommen. In der Nacht stieg aus unerklärbaren Ursachen die Temperatur über 0 Grad. Die Iglus sanken zusammen wie ein Germteig (Hefe), der zu früh in die Kälte kam und die drinnen befindlichen Jungschützen mussten hinaus flüchten, sonst wären sie vom Schnee einen halben Meter zugedeckt worden. Ich war Gott sei Dank nicht zu einer Iglu Übernachtung eingeteilt, sonder musste ein Schneeloch zu dritt ausprobieren. Uns ging es nicht viel besser. Nur war der Schnee nicht so dick über uns, denn er wurde auch von Zweigen, Ästen und kleinen Baumstämmen abgestützt. Aber nass sind wir durch den tauenden Schnee auch geworden. Wir überdauerten halt den Rest der Nacht im Freien und hielten uns mit Umherlaufen und Schneeballschlachten bei der Stockfinsternis warm.

Mit dem Schi fahren ging es mir nicht viel besser. Ich kannte wohl das Hin- und Herrutschen mit Schiern auf den noch nicht hergerichteten und gepressten Pisten. Das gab es damals noch nicht. Du fuhrst durch Tiefschnee und plötzlich hast du eine "Glatze" (so nannten wir einen gepressten Schneefleck) größer oder kleiner vor uns. So wurden wird durch den verschiedenen herrschenden Widerstand hin und her gerissen und es gab immer wieder Stürze. Und ich gehörte, obwohl ich in Wien am Himmelhof und auf der Kreuzeichenwiese in der vorigen Wintern schon immer versucht habe das Schifahren zu beherrschen, nicht zu den Besten, sondern zu den Schlechtesten.

Als Abschluss des ganzen Schikurses stand die FIS 1936 Abfahrt der Olympiade auf dem Plan. Vom Kreuzeck, bei der Barbarahütte vorbei, durchs Kanonenrohr und dann in den linken Steilschuss. Und weiter und weiter hinunter . Da beim Barras (preußischer Ausdruck für Militär) alles nach der Größe ging, fuhr als einer der Ersten ab. Kreuzeck zur Babarahütte ging so leidlich, das Kanonenrohr entschärfte ich, dass ich nicht direkt, sondern kreuz und quer mich hinunterschaukelte. Da gab es schon einige Stürze. Dann den schmalen Jungwaldweg entlang, es war zwar links und rechts kein Platz zum Stürzen vorhanden, aber ich schaffte es doch. Und plötzlich war ich, eigentlich stand ich, vor der links abbiegenden Sturzfahrt. Ganz oben sahst du nicht, wo es unter aufhört. Und so ging es weiter schnell hinunter, noch schneller, zu schnell, Sturz. Wieder ein Steilhang, normaler Auslauf , sehr starke Kurve, Sturz und so weiter, und so weiter.

Als ich am Sammelplatz unten ankam, war so ca. die halbe Kompanie versammelt, die hatten mich, da sie ja später als ich gestartet waren, bei meinem Schiabenteuer überholt, schwang ich ab und riss einen Stern. Alle lachten, ich auch. Ich stand aus und sagte laut und deutlich: "Einhundertfünfundsechzig!" Was, wollten die wissen heißt 165? "Das war mein 165 Stern, bei dieser Abfahrt. Das ist auch ein olympischer Rekord!"

Aber ich kenne nur wenige, außer der Welt- Spitzenabfahrer und unserer Kompanie, die diese Strecke abgefahren sind und waren.