HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Die wilde Jagd 44


Nun eine heitere Geschichte.

Bei Fliegeralarm hatte wir verschiedene Funktionen in der Kaserne zu erfüllen oder bestimmte Plätze einzunehmen. Da war u.a. personelle Verstärkung der Krankenstation, das Tarnen (mit vorbereiteten Tarnnetzen) von blanken Maschinen, die im Freien standen und nicht mehr weggeschafft werden konnten, das Beziehen von Schutzgräben, und von schweren Maschinengewehrständen MG 43 auf Drehlafetten, sonst eine sehr gute Waffe, aber auf die Entfernung und das Vorhalten der Zielline  degratierte es sich zu eiem Heeresanklopfgerät. Damit hätte ich sowieso nicht geschossen, denn durch die Leuchtspurmunition, die beigefüllt war, konnte der Flieger ohne weiteres meinen Standort feststellen und der hatte andere Waffen, um auf mich zu schießen. Es sei er hätte das Lager im Tiefflug angegriffen.

Dazu gehörte auch, dass die Pferde und Tragtiere in den nahe gelegenen Wald zu bringen seien. Der dafür eingeteilte Jäger soll 2 bis 3 Tier am Halfter nehmen und im Laufschritt die Kaserne verlassen, um in dem Wald zu verschwinden. Wer einmal mit einem Pferd links und einem rechts, am Zaume haltend, in Laufschritt, zu bis zu 1000 Meter durchgelaufen ist, weiß wie mühsam und gefährlich das ist. Außerdem waren wir jung und unternehmungslustig.

Wir nahmen also 2 bis 3 Pferde mit langem Halszügel, schwangen uns ohne es aufzusatteln auf eines hinauf, und hielten das oder die anderen am Langzügel und galoppierten über die unbefestigte Lagerstraße beim Kasernentor hinaus und in den Wald.

Das sah sehr toll aus. Und war auch für die Beteiligten fantastisch. Eine Kavalkade. Lützows wilde verwegene Jagd. Und wir hatten in den letzten Wochen so alle 2 – 3 Tage Fliegeralarm.

Wir haben aber nicht mit der militärischen Korrektheit unseres Schulkommandanten OBERSTLEUTNANT GIEHL  gerechnet. Als er dies einmal bemerkt, kam sofort ein Schulbefehl heraus. Drinnen hieß es im Schlusssatz: Das „Reiten auf Pferden ohne Sattel ist strengstens verboten. Wir sind keine Indianer!“