HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Dem Mimen ficht...80


Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze. Stimmt nicht. Ich weiß von einigen Situationen zu berichten. Es erstreckte sich über Jahre. Sonst könnte ja die Nachwelt keine Rolle spielen. Und betrifft nicht nur mich. Auch Erzählungen dazu kommen vor. Vor allen ein großes Lob. Gleich vom Primar der Krankenhauses St. Pölten dem Urologen Dr. ?????. Ich ging einmal zum ihm, um mich vorsorglich untersuchen zu lassen. Obwohl ich nie mit ihm zu tun gehabt habe, begrüßte er mich freundlichst und begann gleich zu schwärmen. Dass er sich noch erinnern konnte, es muss noch um 1969 oder 1970 gewesen sein, als ich "Die 12 Geschworenen" inszenierte und mitspielte. Nämlich die Nr. 4. Er ist noch heute, es war so um 1980 begeistert von meiner Darstellung und er würde sie immer wieder im Bekanntenkreis erwähnen.

Oder ich spielte im Jahre 1965 im Klagenfurter Stadttheater den Lennie in "Mäusen und Menschen". Bekam auch eine tolle Kritik. Die Darstellung brachte mir den Wechsel in das Berufsschauspielertum ein. Ich wurde durch die Darstellung dieser Rolle in Klagenfurt engagiert. Ich blieb drei Jahre dort. Durch Zufall las ich, war es 10 oder 15 Jahre später in einer Zeitung aus Klagenfurt, als man dort wieder "Von Mäusen und Menschen" spielte eine Kritik. Und die war wieder ein Labsal auf meiner Seele. Unter andern hieß es, die Darstellung der Rolle, durch XX war sehr überzeugend, aber die Glanzleistung von Herwig. Lenau als Lennie im Jahre 1965 war unvergesslich.

Oder etwas anderes Ähnliches. Es betrifft den Kollegen Louis Essl. Ich glaube er ist der älteste der mit mir noch engen Kontakts habender Kollege. Er ruft immer am Samstag aus Wien mich oder meine Gattin Christa an und erzählt die neuesten Geschichten aus der Donaumetropole.

Es muss so um 1963 gewesen sein. Wir Beide waren am Stadttheater Baden bei Wien engagiert. Er als Buffo und Tänzer und ich als Schauspieler. Es wollte etwas für seinen Bühnenlaufbahn tun und interessierte sich für Sprechtechnik. Als Grazer (Steyrer) hatte er es besonders schwer. Ich arbeitete mir ihm vor dem Bühnentütrl, bei schönem Wetter natürlich, den großen Monolog von Mortimer aus "Maria Stuart"; "Ich zählte zwanzig Jahre, Königin, als mich…." Er wurde nach mir in Rendsburg 1969 verpflichtet und war auf der suche nach einer Unterkunft. Und so kam er in das Gasthaus "Deutsche Eiche". Das wurde von einem älteren Ehepaar, Flüchtlinge aus Schlesien geführt. Ich war dort Stammgast und der erklärte Liebling der Wirtin gewesen. Denn ich behauptete jedes Mal zum Essen, dass das, das Beste sei, was ich aus allen umliegenden "Kneipen" hier heroben bekommen habe. Und hatte sogar Recht. Louis kam also in die Gaststube und sah an der Wand mein Foto mit einer Widmung. Er schaltete sofort und sagte, er käme aus Wien und habe den Auftrag sie von mir herzlichst zu grüßen und ob sie nicht ein Zimmer für ihn hätte. "Schau der Herr kommt aus Wien vom Herrn Lenau und lässt uns schen grissen!" Sie schwärmten noch von mir, als klassischer Schauspieler und Peter Alexander (Hans Moser) - Imitator. Er bekam natürlich ein preiswertes Zimmer und nur weil die Nachwelt doch dem Mimen (das heißt in diesem Falle mir) Kränze geflochten hat.