HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Catch as catch can-Verträge 51

Hätte ich das Angebot vom Weltmeister im Ringen im griechisch-römisch und freien Stil Adi Berber angenommen,von dem ich in den Polizeierinnerungen "Catch as catch can*)" erzählte habe, hätte ich meinen Freund J. L. schon einige Jahre früher vielleicht getroffen. Es war ab dem Jahre 1959. Er war HTL-Ingineur und Inhaber eines Elektrogeschäftes, welches er später vermietete.

Aber in seiner Jugend war er noch Ringer im griech.-röm. Stil und in den Endrunden um den Österreichischen Meistertitel. Da er kein Geld hatte, verdiente er es sich am Heumarkt in den Chatch as chatch can - Veranstaltungen. Und da er nichts riskieren wollte, da es für Ringeramateure verboten diesen Sport gegen Entgelt auszuüben, trat er am Heumarkt bei den Freistilringen in einer Vollgesichtsmaske als PO GA DSCHI auf.

In den 50 Jahren waren diese Veranstaltungen am Heumarkt und es war immer sehr schwer eine Karte zu bekommen, denn die waren immer ausverkauft. Und alle wussten um die Stars der Freistilringer und wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehörte, und wer wem da und dort im Ring was angetan hatte u.s.w. Um meine Wissbegierde zu stillen, erklärte er mir die damaligen Usancen diese Sports.

Sie waren alle in der Artistengewerkschaft und jeder Vertrag bestimmte, gegen wen und wann er zu gewinnen und zu verlieren hatte. Die Matches wurden dann mit dem Partner abgesprochen, auch die Hochpunkte des Kampfes, wie aus dem Rind werfen, in die Seile-Spannen u.s.w. und außerdem, welcher Rolle er in diesem Turnier zu spielen hatte. Der Böse, der Gute, der Ängstliche, der Wütende u.s.w. Und auch der Sieger wurde durch Vertrag geregelt.

Das hat aber nicht geheißen, dass es bei den Ringkämpfen dann mit Seidenhandschuhen abging. Da gab es schon auch blaue Flecken und auch Blut konnte fließen in der Hitze des Gefechts. Aber die vertraglichen Regeln wurden strickte eingehalten, sonst war man draußen aus dem lukrativen Geschäft. Besuchten damals doch Hunderttausende diese Kämpfe.