HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Bayerischer Ernteeinsatz 42


Vom Februar 1942 bis März 1943 war ich in der Kriegsschule in München kaserniert. Auch hier wurde wir, wie in Wr. Neustadt und später in Wörgl, zum Ernteeinsatz abkommandiert. Dies war von allem für uns immer einen Kostaufbesserung, wenn wir auch in den anderen Kasernen nie Hunger gelitten haben. Außerdem war es meistens eine Hetz.

Nur in diesem Jahr war es für alle ein großer Tschoch und es gehen die Meinungen auseinander, ob wir zuerst in Ludwigsmoos bei Ingolstadt zum Kartoffelernten oder zuerst in Au in der Holerdau oder Hallertau beim Hopfenernten waren. Nach meiner Erinnerung waren wir zuerst in Au.

Diese Ortschaft liegt sehr nahe bei den beiden Wohnorten meines alten Freundes ERIK JOEY PFLÜGER und seiner lieben CARIN, nämlich Herrenhausen und Siegenburg, Orte die ich jahrzehnte später öfters besucht habe.

Aber nun zu meiner Behauptung. Und ich werde diese Augenblickschilderung, auch weder löschen noch umschreiben, falls es sich doch anders verhalten hat. Das ist ja nicht so wichtig. Lustig und interessant waren die Geschichtchen hiezu.

Also warum die Hopfenernte in Au früher. Es war nämlich immer noch erinnerlich sehr, sehr heiß. Damals wurden alle Arbeitsvorgänge zum Ernten der Hopfenfrucht händisch durchgeführt. Heute fährt ein Arbeitswagen durch die Hopfenzeilen und hinten nachziehend, liegen in einem Wagen schon die geernteten Hopfenknollen. Aber damals. Große Hitze. Mit einer sehr langen Stange, am oberen Ende befand sich ein Hacken, wurde der Draht an dem sich die Hopfenfrucht empor gerankt hatte, in ca. 4 - 5 m Höhe, durch einen starken Ruck ausgeklinkt und die Ranke fiel mit viel Staub behaftet und mit noch mehr Ungeziefer und Insekten umschwärmt zu Boden. Wir saßen dort und dieser ganze Staub und die Viecher fielen auf dich , auf die nackten Oberkörper, denn es war sehr heiß, und das juckt und kratzte ganz fürchterlich.

Wir saßen vor einem Korb, zugleich mit der Größenangabe hieß er, ein Metzen, in dem wir die abgeernteten Hopfenfrüchte warfen. Der Metzen hatte einen Rauminhalt von ca. 60 oder mehr Liter, ich weiß es nicht mehr so genau. Eine Hopfenfrucht ist ca. 2 – 3 cm im Durchmesser und 3-4 cm lang und besteht nur aus einzelnen Blättern, die um einen Stiel ringförmig angewachsen waren und sich leicht zusammen drücken ließen. Man kann sich vorstellen, wie lange es dauerte bis so einen Metzen voll war.

Zur weiteren Arbeitsabwicklung sei noch zu sagen, dass dieser volle Metzen zu einer Annahmestelle gebracht werden musste und man dafür eine Marke bekam, die dann am Abend abgegeben werden wusste. Wir waren außerdem verpflichtet, ich weiß nicht mehr, wie viele Metzen, waren es 6, 8 oder 12 am Tag abzuliefern.

Außer uns Jungschützen, die ganze Kompanie 160 Mann war eingesetzt, waren auch sogenannte Fremdarbeiter (das waren wir ja auch), ganze Familien mit Frau und Kindern, die diese Sauarbeit mit uns verrichteten. Die bekamen am Abend für ihre Marken Geld ausbezahlt und wir übergaben sie der Kompanie.

Nur war diese Arbeit sicher nicht, wie am Anfang geschildert, eine Hetz. Die wollten wir uns nicht entgehen lassen. So fielen einigen von uns (sicher dabei war der SCHENK WALTER), nicht allzu vielen, etwas ein. Für eine Marke erhielten die zivilen Fremdarbeiter 50 Pfennige, auch wir bekamen den Betrag dafür, später von der Kompanie. Wir kauften also den Fremdarbeitern ihre Marke um 60 Pfennig ab und hatten so, dann für gute 2 – 3 Stunden, solange dauerte es bis ein Metzen voll wäre, Zeit für unsere Hetz, die war sehr vielseitig und vor allen arbeitsruhend. Und das um 10 Pfennig. Denn die 5o bekamen wir ja von der Kompanie dann zurück. Ja, gewusst WIE!

Die Arbeit bei der Kartoffelernte war nicht so schwer. Zwar war man den ganzen Tag auf dem Kartoffelfeld. Ein weiche lockere schwarze Erde. Die Konsistenz der Erde war so locker, dass, als mich ein Pferd auf den Fuß getreten hat, dieser so tief eingesunken war, dass mir nichts passierte.

Wir gingen in der Anbauzeile von der Maschine ausgeworfenen Erdäpfel nach und klaubten diese auf. Außerdem wurde uns vom Bauern oder Knecht eingeschärft auch mit der Hand etwas tiefer zu greifen, denn da lagen immer mehrere Kartoffel in der Erde. Dazu wäre eine Geschichte zu erzählen, die ich in der Kriegsgefangenschaft in Brjansk 1946*) erlebte.

Aber das Wetter war um vieler schon kühler. Wir konnten nicht mehr, wie in Au, mit nacktem Oberkörper am Abend vor der Unterkunft sitzen, sondern mussten, wenn wir abends nach der Arbeit zusammen kamen, die ganze Uniform anziehen. So glaube ich heute wir waren doch zuerst Hopfenpflücken in Au in der Hallertau.