HERWIG LENAU
Eine Bilanz

Bühnen Traumengagement 65


Traumengagement! Wie kommt man dazu? Wie geht das vor sich? Welche Kriterien sind notwendig? Ich habe nur zwei kleine Beispiele dafür. Das eines ganz Großen der Burgtheaterbühne und meines.

Ich habe, um meine Reifeprüfung für Schauspiel ablegen zu können einen Nachweis in Dramatischen Unterricht gebraucht. Ich und fasst alle Schauspieler umgingen diese Vorschrift, dass sie statt des dramatischen Unterrichts sich einen Sprachlehrer oder Lehrerin suchten, der oder die, die Schlampigkeiten des Umgangsprechens wieder ausbügelten. In unseren Breiten besonders die harten Konsonanten, welche alle weich ausgesprochen wurden. Und noch mehrere solche Fehler, die heute besonders bei Fernsehsendungen einem die ganze Freude daran verderben, da man die meisten Schauspieler nicht versteht. Die nuscheln, schludern, krächzen und verschlucken nicht nur die Endsilben, sie spielen so „natürlich“ ihre eigene Rolle, dass sie kein anderer versteht.

Also, ich ging so in den 5oer Jahren zu einem Rhetoriklehrer und zwar zu einem der drei Stars in Wien. Die waren Frau Prof. BALSER-EBERLE, Prof. Rudolf KIRCHNER und ich zu Herrn Prof. Zdenko KESTRANEK, Lehrer für Rhetorik am Reinhardseminar in Wien.

Nicht nur ich als Anfänger wurde von ihm unterrichtet, sondern auch Star von Burg und Volksoper. Und einmal erzählte er mir eine Geschichte, seines Freundes Fred LIEWEHR. An Burgtheater, der Held aller Helden. Wenn er in der Nazizeit in Don Karlos als Marquis Posa zum König Phillip sagte: „Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire!“ Da tobte und jubelte das ganze Haus. Und weder Baldur VON SCHIRACH, der Reichstatthalter von Wien von Hitlers Gnaden, noch der Burgtheaterdirektor Lothar MÜTHEL wagten das Stück abzusetzen, noch einen Strich zu verordnen, so beliebt war LIEWEHR. Ein Sohn Florian war in den 70er Jahren bei mir engagiert und wir spielten alternierend den Mann von la Mancha.

Aber die Engagementgeschichte seines Vaters, die mir Prof. KESTRANEK erzählte, war sehr aufschlussreich. Fred LIEWEHR spielte in Graz und im Zuschauerraum saß der damalige Burgtheaterdirektor HERTERICH. Und nach der Vorstellung engagierte er ihn ins Haus am Ring. LIEWEHR war ganz stolz und wollte von der Begleitung HERTERICHS wissen, was der Direktor über ihn und seine Leistung auf der Bühne gesagt hatte. Die Auskunft war aber enttäuschend. HERTERICH sagte nur: "Der is´ groß, den nehm´ wir!“

Und so ähnlich war auch bei mir. Als Prof. O.H.B. (Otto Hans BÖHM) für seine Produktion „Von Menschen und Mäusen“ den Hauptdarsteller, den „LENNY“ suchte und ich dann dafür vorsprach, erfuhr, dass das Resümeegespräch nicht über die stimmliche Brillanz oder die gedankliche Ausdruckskraft geführt wurde, sondern O.H.B. fragte seinen Dramaturgen, den Dr. Fritze WAGNER, ich hatte ihn in Wien kurz bei der Boulevardbühne kennen gelernt, wie ich sonst privat sei. Und Fritze antwortete: „Ein sehr disziplinierter, menschlich umgänglicher, und höflicher, netter Zeitgenosse!“ Und dies war die Voraussetzung zu meinem Traumengagement.